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 Hagen von Fichtfall [Kishinei]

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Hagen von Fichtfall

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Anzahl der Beiträge : 5
Der Charakter :


BeitragThema: Hagen von Fichtfall [Kishinei]   Mi Mai 11, 2016 8:24 pm

Allgemeines:

Bild: Nicht vorhanden.

Vorname: Hagen

Name: von Fichtfall

Geschlecht: Er ist männlich.

Alter: Körperlich sieht er aus, als wäre er 30 Jahre alt. Seine Seele zählt jedoch bereits 550 Jahre.

Größe: Hagen galt mit einer Größe von 1,70m zu seiner Zeit als ein großer Mann. Aus heutiger Sicht ist er damit schon fast als klein zu bezeichnen.

Geburtsort: Er wurde in Europa im Süden von Deutschland geboren.

Rasse: Kishin-Ei

Aussehen: Mit 1,70m war Hagen damals keinesfalls jemanden, den man übersah. Er wirkte nicht nur durch seine Körperhöhe recht stattlich, sondern auch durch seinen muskulös-drahtigen Bau. Ein typisches Zeichen des Adels ist die bleiche Hautfarbe, die auch der Mann trägt. Jedoch gleicht sie bei ihm fast schon einer Leichenblässe und sieht ungesund aus, aufgrund des sich ausbreitenden Wahnsinn im angehenden Kishin-Ei. Weitere Anzeichen für die immer dickerwerdende, rote Ummantelung seiner Seele sind die schwarzen Verfärbungen rings um die Haut seiner Finger- und Zehennägel herum, so wie in Nähe von Narben, von denen er einige besitzt, und alten Verletzungen. Diese Fakten sucht er stets zu verstecken. Sein Antlitz ist von harten und ernsten Gesichtszügen geprägt, sowie von schmalen Lippen, einem kräftigen Kiefer und leicht definierten Wangenknochen. Es ist keinesfalls das Gesicht eines feinen Jünglings, dennoch empfanden es viele als durchaus ansehlich und nicht gerade unattraktiv. Seine Augen tragen die Farbe eines hellen Grüntons, der besonders einprägsam scheint, weshalb der strenge Blick des Mannes damals oft als unvergesslich betitelt wurde. Ein Merkmal, das viele der von Fichtfall Familie besaßen. Aufgrund der vielen Albträume lassen sich mittlerweile auch tiefschwarze Silhouetten unter den Seelenspiegeln finden. Einen weiteren Kontrast mit der hellen Hautfarbe bildet im Übrigen das kohlrabenschwarze, kurze Haar des Adeligen. An Kleidung trägt er das, was er bei seiner Gefangenschaft am Leib hatte und die Dinge, die er im Familiengrab fand. So hatten ihm die Bürger, die ihn damals einsperrten, in den anliegenden Raum ein wenig von seinem Hab und Gut hinterlegt, damit die Seele von Hagen nach der Dämonenbefreiung nicht zornig über sie wurde. Ein dunkelblaues, feines Seidenhemd, dessen Ärmel ungefähr bis zum Ellenbogen reichen, bedeckt den Oberkörper des Kerls. Die Enden und der Ausschnitt sind von eingenähten, dünnen, silbernen Fäden, die ein recht einfaches Muster formen, geschmückt worden. Es folgt ein lederner, dunkler Gürtel, ebenfalls mit Silbermustern verziert, diesmal aber weitaus prunkvoller. Das nächste Kleidungsstück ist die, im Gegensatz zum Rest der Aufmachung, gewöhnliche, hellbraune Hose. In sie sind teilweise Lederstücke eingearbeitet worden, ansonsten ist sie nicht gerade auffällig. Schwarz-graue feste Stiefel bilden das Schuhwerk des Mannes. An Schmuck trägt er eine Kette aus schmalen Silberperlchen, an deren Ende ein hölzernes Kreuz befestigt ist, und zwei Ringe. Einmal seinen massigen güldenen Ehering und an der anderen Hand einen ebenso großen silbernen Ring, der an den Rändern verziert wurde und das Wappen der Familie von Fichtfall trägt. Dieses lässt sich im Übrigen auch noch einmal in größerer Variante am verzierten Gürtel finden. Das Wappen der Adelsfamilie zeigt eine große, prächtige Fichte, die von einem Falken an der Spitze gepackt wurde, sich unter der Kraft beugt und aus dem Boden gezogen- und entwurzelt wird.

Charakter

Charakter Eigenschaft: Eine der bekanntesten Charaktereigenschaften Hagens bildet wohl der Jähzorn, der ihn schon von Kleinkind an durch sein Leben begleitete. Impulsives Verhalten und Aggressionen gehen damit einher. Allein kleinste provokative Äußerungen oder Handlungen lassen den Mann sofort an die Decke gehen. Er verliert beim Eintritt von Wut und Zorn regelmäßig die Kontrolle und greift fast unmittelbar nach Gewalt. Begleitet wird dieses tobende Verhalten meist noch von Geschrei und Beleidigungen. Der Ritter wurde für seine Wutausbrüche, die nicht zu unterschätzen sind - hat es immerhin schon ein Menschenleben gekostet, stets gefürchtet. Der Adelige selbst fühlt sich ebenso von seinem blinden Zorn geplagt, doch hat er sich bis jetzt nur einmal dazu in Gegenwart einer Person bekannt. Ein Charakterzug, den man bei Hagen stets lobte, war der Ehrgeiz. Wenn sich ein Ziel im Kopf des Kerls manifestiert, setzt er alles daran, dieses zu erfüllen. Dabei beweist er lang anhaltende Ausdauer und Ideenreichtum. Allerdings wird auch hier wieder die Dickköpfigkeit seinerseits deutlich. Er ist hartnäckig und starrsinnig. Kein guter Rat der Welt kann ihn von etwas abbringen, wenn er etwas beschlossen hat. Andere Meinungen schon gleich gar nicht. Hagen ist streng religiöser Christ. Da er aus dem Mittelalter stammt, lebt er jedoch nach vielen Grundsätzen und besitzt auch immer noch die Moralvorstellungen, die heutzutage längst als überholt gelten. Im Übrigen ist er durchaus als Egoist zu bezeichnen, so stellt er das eigene Wohl stets und ständig an erster Stelle. Er vertraut stark auf sein Können und verhält sich deswegen teilweise überlegen gegenüber anderen. Dies kann auch im Kampf passieren. Der Charakter Hagens weist auch einen gewissen Zwiespalt auf. So ist er einerseits ein sehr stolzer Mann. Er hält viel von der eigenen Ehre und der seiner Familie. Für ihn stellt es einen riesigen Frevel dar, wenn jemand seinen Stolz kränkt oder seine Ehre in den Dreck zieht. Dies gilt jedoch nur für den menschlichen Teil in ihm. Da er um sein Dasein als wachsendes Kishinei weiß, zerfrisst ihn ebenso der Selbsthass. Er erhofft sich immer noch eine Heilung, damit seine Seele wieder rein ist und er als ehrwürdiger Mensch sterben kann. Schuldgefühle verfolgen ihn in vielen seiner Albträume, allerdings beziehen sich diese ausschließlich auf seine Frau, seinen Bruder und seinen Sohn. Er ist überzeugt von seinem Gedankengut und hält daran fest, dass das, was er damals seiner Tochter und Geliebten antat, vollkommen legitim war. Reue für die beiden bleibt also vollständig aus. Ebenso für die leidende Bevölkerung im Krieg. Viel eher neigt er dazu, sich selbst ins Unendliche zu bemitleiden. Gerne beschrieb man Hagen als ernsten und strengen Mann. Seinen Befehlen musste man Folge leisten, wenn man nicht in Ungnade fallen wollte. Was jedoch damit einhergeht, ist seine humorlose Art. Für Witze hat er nichts übrig und meistens will er sie nichtmal richtig verstehen. Fremden begegnet er mit starkem Misstrauen, ist er mit der Zeit auch fast schon paranoid geworden, und je nachdem, was ihm am Gegenüber bezüglich der Moderne auffällt, auch mit unfreundlichen oder streitwilligen Verhalten. Hagens Charakter ist davon gezeichnet, dass er sich nur schwer anderen öffnen kann und Lügen seinen Alltag dominieren. Er verdrehte die Worte anderer so wie er wollte, um an sein Ziel zu kommen, nutzte seine Macht vollkommen aus, - oder legte ihnen völlig fremde Sätze in den Mund. Über seine Vergangenheit schweigt er im Übrigen oder lügt ganz einfach, so glaubt er in vielen Passagen demütigende Fehler gemacht zu haben oder schwach gewesen zu sein. Dennoch beißt sich Letzteres kaum mit seinem Stolz und seiner Überzeugung von sich selbst, denn er denkt, dass er viel mehr gut gemacht hat, als schlecht. Aufgrund seiner langen Gefangenschaft in fast völliger Dunkelheit, hat er eine Angst vor eben dieser entwickelt, welche sich in Nervösitätszuständen und Panik bei Konfrontation äußert. Aus gleichen Gründen erwarb er auch eine Angst vor engen Räumen, die sie wie die oben erwähnte Furcht verhält.

Vorlieben: Da er zum Ritter ausgebildet wurde, hält er viel von den ritterlichen Tugenden und Pflichten und schreibt sie oftmals sich selbst zu. Er sieht einen hohen Wert in der eigenen Ehre und der seiner Familie. Stolz ist er vorallem generell auf seine Familie, die adeligen von Fichtfall, so prahlt er oft mit seiner Abstammung und der erfolgreichen Familiengeschichte. Er liebt Erfolge und Siege, warum? Ganz einfach, weil er Niederlagen hasst. Zudem bringt er dem Christentum viel Sympathie entgegen.

Abneigungen: In erster Linie hasst Hagen Hexen und damit auch Hexenmeister. Sie verkörpern das vollkommene Böse für ihn. Allerdings denkt er dies auch über Kishineier, woher sein teilweiser Selbsthass rührt. Womit er überhaupt nicht klar kommt sind Provokationen und feindselige Äußerungen, da damit seine unkontrollierbarer Jähzorn provoziert wird. Diesen kann er im Übrigen auch nicht leiden. Und zu guter Letzt ist natürlich zu erwähnen, dass er nichts für die moderne Zeit übrig hat. Er hasst nahezu alles daran.


Fähigkeiten

Stärken: Körperlich ist Hagen trainiert und weist daher eine recht beachtliche Muskelkraft und somit Stärke auf. Er hat in seiner Ausbildung zum Ritter den Umgang mit vielen verschiedenen Waffen erlernt, manche davon beherrscht er besser, manche weniger. Er wird jedoch als ausgezeichneter Schwert- und Speerkämpfer beschrieben. An Wendigkeit soll es ihm angeblich nicht mangeln. Sein Ehrgeiz fungiert in nahezu perfekter Kombination mit seiner Ausdauer. Auch wenn sein Jähzorn definitv etwas Schlechtes für ihn und die Menschen in seinem Umfeld darstellt, so bietet er doch einen Vorteil: Adrenalin. Dies bedeutet für den Lehnsherrn erhöhte Kraft und kurzzeitige Schmerzressistenz.

Schwächen: Während seine Kopf- und Rückenwirbelverletzung in der Vergangenheit entsprechend gut verheilt waren, ist es nun doch das rechte Bein, was den Ritter plagt. Bei diesem ist der Knochen falsch verwachsen und teilweise verdreht, wodurch es immer gewisse Schmerzen mit sich bringt, wenn der Mann läuft. Mittlerweile hat er gelernt, den Schmerz etwas auszublenden, doch beginnt er nach längeren Strecken ohne Ausruhen des verletzten Körperteils dieses nachzuziehen oder schwer zu humpeln. Während der Jähzorn zwar eine Stärke im Bezug auf das Adrenalin darstellt, zeigt sich natürlich auch ein großer Nachteil im äußerst schnellen Kontrollverlust. Durch den eigenen Stolz wird Hagen teilweise blind für die Stärke seiner Gegner, weil er so sehr auf sein eigenes Können vertraut. Dadurch passiert es ihm rasch, dass er Feinde unterschätzt. Er kann sich schlecht anderen öffnen und lügt oft. Zudem lebt der Schwarzhaarige zwar schon einige Jahrhunderte, doch bekam er während dieser Zeit nichts von all dem um ihn herum mit. Man hätte meinen können, er würde ein Vorteil durch altes Wissen besitzen, allerdings entging ihm alles und so findet sich überhaupt nicht in der Moderne zurecht, was einen mächtigen Nachteil gegenüber anderen bildet. Die größte Schwäche stellt jedoch bei ihm dar, dass er ein anfängliches Kishinei ist und mit 3 Seelenspeisungen noch keine Magie entwickelt hat, was ihn zu einer leichteren Beute als andere Kishineier mit Fähigkeiten macht.

Kampfstil: Hagen präferiert den direkten Schwertkampf, er sieht Überraschungsangriffe als feige an. Er kämpft offensiv mit kräftigen, aber auch schnellen Hieben. Früher war er meistens gepanzert und so wies er eine hohe Verteidigung auf. Da ihm dies momentan nicht möglich ist, muss er vorsichtiger werden. Auch hat er noch nicht richtig gelernt, sich mit seinem verletzten Bein in den gewohnten Kampfstil einzufinden. Doch trotz dieser ganzen Probleme, kann der Lehnsherr einen offensiven, wendigen Kampfstil vorweisen, der nicht unbedingt zu unterschätzen ist. Apropos. Ein großer Minuspunkt ist natürlich die Art von Hagen, sich selbst als zu überlegen zu sehen, was seine Vorsicht leiden lässt. In Schlachten verzeichnete er sich selbst bei der Kavallerie, da er eine ausgezeichnete berittene Einheit ist. Viel nützt ihm das nicht, immerhin steht ihm momentan kein Pferd zur Verfügung. Dennoch gehört es zu seiner Art zu Kämpfen und ist daher erwähnenswert. Im gemeinsamen Kampf kommt es für Hagen darauf an, mit wem er kämpft. Er ist ein schlechter Teamkämpfer, wenn er mit 'dem Pöbel' Seite an Seite kämpft. Dafür ist er aber ein guter Teamkämpfer, wenn er mit einem anderen adeligen Ritter eine Schlacht bestreitet. Dies hat einfach etwas mit seiner Motivation zu tun.

Fähigkeiten: Hagen kann bis dato keine Magie wirken.

Besondere Fähigkeiten: -

Besondere Ausrüstung: Er hat das Begräbnisschwert seines Vaters aus dem Familiengrab als provisorische Waffe im Falle des Falles zur Verteidigung entwendet. Dieses ist übermaßen geschmückt und daher sehr schwer. Es ist eigentlich reine Zierde und fast vollkommen ungeeignet für den Kampf.

Biographie

Ziel: Hagen möchte seine ehemalige Geliebte, die Hexe Klara, finden und sie dazu zwingen, seine Seele vom Kishinwahnsinn zu reinigen, sodass er als ehrenwerter Mann sterben kann. Ob die Frau jedoch überhaupt noch am Leben ist, ist unbekannt.

Story: Geboren wurde der Mann als Hagen von Fichtfall, erster Sohn des Oberhauptes der Adelsfamilie 'von Fichtfall', in Zeiten des Mittelalters in Deutschland. Ein paar Jahre nach seiner Geburt gebar seine Mutter noch einen weiteren Burschen. Man gab dem zweiten Abkömmling den Namen Albrecht. Hagen wuchs recht normal auf, doch auffallend war, dass das Kleinkind dazu neigte, viel und schnell zu schreien. Erzogen wurde er streng, darauf bedacht, ihm alles Wichtige beizubringen, was er dafür benötigte, wenn er das nächste Oberhaupt und Lehnsherr würde. Doch im Kindesalter zeigte der Nachkomme ein Verhalten, was den von Fichtfall nicht wirklich gefallen wollte. So verfiel er schnell in aggressive und gewalttätige Wutanfälle. Nicht oft passierte es, dass Hagen dabei Bedienstete oder auch seinen jüngeren Bruder Albrecht verletzte. Meistens wurden diese Anfälle durch irgendwelche Nichtigkeiten ausgelöst und es war Gang und Gäbe, dass das Kind mehrere von ihnen pro Tag erlitt und in Rage geriet.

»Ihre zarten Hände zitterten leicht, während sie nervös an ihren weißen Ärmeln zupfte. Ihr Gesicht war gerötet vom Weinen. Sie schluchzte noch einmal, dann wischte sie sich wieder eine Träne, die ihre weiche Wange hinabrollte, mit einem sauberen Tuch weg.
"Bitte, tut doch was, Tristan", wimmerte sie mit schwacher Stimme in die Richtung des schwarzhaarigen Mannes, der ausdruckslos am Fenster stand und hinausstarrte, "Ihr seid sein Vater."
Er seufzte leicht, dann fuhr er sich mit der blassen Hand über den stoppeligen Bart. Sein Blick hing noch für einen Moment an der Landschaft, ehe er sich zu seiner Frau drehte.
"Was soll ich machen, Sophia?", fragte er, doch er erwartete keine Antwort.
Sie ballte das Seidentuch in ihrer Hand zusammen, während sie ihn unwissend ansah: "Ich weiß es doch auch nicht."
Der Mann schüttelte den Kopf schweratmend. Er ging im Raum auf und ab, sinnierend über die verschiedensten Gedanken.
"Ich halte es nicht mehr aus. Wisst Ihr wie das ist, wenn Ihr nach ihm sehen wollt und Ihr öffnet die Tür und dann.. Dann hockt er da, die Hände am Hals von Albrecht? Das Gesicht meines armen Jungen war vollkommen rot angelaufen und als ich geschrien habe, hat Hagen mich einfach nicht gehört", weitere Tränen stachen der Frau in die Augen und ließen ihr Sichtfeld verschwimmen.
Der Schwarzhaarige sah sich um. Er zögerte einen Moment, ehe er sich zu ihr setzte und beruhigend meinte: "Ich werde mit ihm reden, sorgt Euch nicht weiter."«
~ Momentaufnahme von einem Gespräch zwischen Mutter und Vater über einen Wutanfall Hagens

Im Jugendalter wurde ihm trotz seiner Wutanfälle viel Ehrgeiz und Hartnäckigkeit zugeschrieben, die er stets und ständig bei seiner Ritterausbildung bewies. Nachdem er diese jedoch absolviert hatte und als Mann zum vollwertigen Ritter geschlagen wurde, erkrankte sein Vater wenige Monate danach an einer Lungenentzündung. Dem Oberhaupt ging es zunehmend schlechter und das einschneidende Ereignis in den folgenden Jahren traf ihn ebenfalls schwer. So geschah es, dass Hagen in rasendem Zorn seinen Bruder Albrecht in dessen Gemach erschlug. Sofort suchte man das Ereignis zu verschleiern - da kein Bediensteter anwesend war erwies sich die Mühe auch als Erfolg. Angeblich soll der junge Herr sich beim Vater angesteckt haben und früher verstorben sein. Nur die Familie kannte die Wahrheit. Aus tiefster Bestürzung wandte sich die Mutter Hagens schließlich von ihm ab und beschränkte Konversationen und Treffen mit ihm auf ein Minimum. Als das Oberhaupt schließlich bemerkte, dass ihn die Krankheit bald dahinraffen würde, organisierte es noch eine Hochzeit zwischen seinem Nachfolger und der adeligen Tochter eines Bündnispartners. Wenige Tage nach der prunkvollen Feier erlag er der Lungenentzündung und Hagen wurde zum neuen Lehnsherren eines großen Stückes an Land. Seine Mutter vestarb nur kurze Zeit danach an einem Genickbruch, da ihr alter Körper den Sturz von einer der steinernen Treppen in der Burg nicht mehr verkraftete. Der neue Herr trauerte um seine Eltern, widmete sich jedoch schnell wieder seinen Pflichten und zeigte dabei den Ehrgeiz, den man bei ihm mit höchsten Tönen gelobt hatte. Er verlebte eine glückliche Ehe mit seiner Frau Ilea, dennoch begann er eine Affäre mit einer der Mägde, die bei ihm angestellt waren. Heimlich trafen er und Klara, so lautete ihr Name, sich. Das Verhältnis der beiden Liebenden zeichnete sich durch ihr großes Vertrauen zum jeweils anderen aus. So kam es, dass Hagen der Magd ein paar Geheimnisse gestand.

»Der Blick ihrer großen, schönen, braunen Augen hang an seinen blässlichen Lippen, welche sich bebend bewegten, als würde jedes Wort seinen Mund mehr betäuben. Sie lauschte seinen unbeholfenen Sätzen aufmerksam. Ihre zarten Finger strichen beruhigend über seinen rauen Handrücken. Zorn schwang in seiner erschöpften Stimme mit, als er ihr davon berichtete, wie sehr ihn seine blinde Wut plagte. Mit wie viel Hass es ihn erfüllte, dass seine Sicht sich so leicht trügte und er Unschuldigen in Form von stumpfer Gewalt Schaden zufügte. Er machte eine Pause und sah langsam vom  dreckigen Boden auf, zu ihr.
"Mein Bruder ist damals ein Opfer meines Zorns geworden", sprach er schwach, "der... der ehrwürdige Albrecht starb nicht an einer Krankheit. Meine Hände waren es, die ihm das Leben nahmen."
Sie stoppte in ihren Bewegungen und blickte ihn einen Moment lang schweigend an. Er verzog das Gesicht. Reue und Trauer zeichneten sein Antlitz kurz. Sie atmete schwer, ehe sie ihren Kopf an seine starke Schulter lehnte und mit ihrer Handfläche sanft über seinen Rücken fuhr.
"Macht Euch keine Sorgen, Hagen. Ich liebe Euch immer noch genauso wie zuvor", säuselte sie.«
~ Momentaufnahme von einem Gespräch/Moment zwischen Hagen und seiner Geliebten Klara

In den folgenden Jahren gebar Hagens Frau ihm einen Sohn, dem sie den Namen Leopold gaben. Der Vater war höchst erfreut und kümmerte sich mit gleicher Freude um das gesunde Neugeborene. Seine Beziehung mit Klara hielt weiterhin. Sie war nicht erzürnt über die Geburt Leopolds. Stattdessen bestellte sie den Lehnsherren zu sich, um ihm einerseits ein Geheimnis zu offenbaren und eine erfreuliche Nachricht zu überbringen. Ihr Vertrauen zu Hagen war unerschütterlich und so erzählte sie ihm, dass sie eine Hexe sei, sie aber nicht vergleichbar mit den bösen Zauberinnen wäre. Sie wollte schon immer ein normales Leben entfernt von jeglicher Magie leben. Als der Mann nichts sagte und sie nur entsetzt ansah, versuchte sie ihn warmherzig anzulächeln und berichtete ihm, dass sie ein Kind von ihm erwartete. Daraufhin begann der Ritter sie zornig zu beschimpfen, dass sie niederes, dämonisches Wesen ihn in die Irre geführt hätte. Er befahl der Frau, sofort sein Gebiet zu verlassen und nie wieder zurückzukehren. Vollkommen gekränkt, verängstigt und mit gebrochenem Herzen in der Brust verschwand Klara in der darauffolgenden Nacht. Doch das nächste Unheil folgte schon bald. So kam es zu Streitigkeiten zwischen Hagen und einem anderen Lehnsherren. Die beiden trafen sich in der Burg der Familie von Fichtfall, um zu verhandeln. Jedoch... Auf ein paar provokante Aussagen hin, zeigte sich der gefürchtete und verhasste Wesenszug des Oberhauptes und es kam zur Eskalation.

»Von weit her klangen die Rufe der panischen Männer und Frauen, doch Hagen hörte sie nicht. In seinen Ohren rauschte nur das eigene kochende Blut. Seine Muskeln zitterten, sein Herz schlug so schnell und laut, als wollte es ihm jeden Moment aus dem Brustkorb springen. Ein weiteres Mal landete seine Faust krachend im Gesicht dieses verhassten Bastards. Was erlaubte er sich? Niemand würde seine Ehre einfach so beschmutzen und ungeschoren davonkommen. Dass der andere Mann verzweifelt versuchte, sich aus seinem Griff zu lösen und dabei den zornigen Ritter verletzte, bemerkte dieser nicht. Er keuchte schwer in seiner flammenden Wut, ehe er erneut ausholte. Sein Feind wimmerte, als ihn der nächste Schlag traf. Das Blut, das ihm aus der Nase und dem Mund rann, sah Hagen nicht. Auch die Wunden und die verschobene, gebrochene Nase blieben vom Täter unbemerkt. Das Feuer seines Zorns war noch lange nicht erloschen, er würde weitermachen, bis dieser Dreckskerl -«
~ Momentaufnahme von Hagens gewaltsamen Übergriff auf den anderen Lehnsherrn

Bevor Hagen seinem Opfer endgültig das Leben aus dem Leib prügeln konnte, griffen endlich die Bediensteten ein. Sie trennten die beiden Lehnsherren voneinander. Noch während der Besucher der Burg mit der Ohnmacht kämpfen musste, erklärte er dem von Fichtfall den Krieg. Hagen setzte sich sofort mit seinen Verbündeten zusammen, um einen Plan auszuhandeln, wie sie ihren Gegner überfallen wollten. Allen war bewusst, dass auch ihr Feind Bündnispartner besaß und sie so keinen Vorteil von der Anzahl der Teilnehmer her hatten. Hagen vertiefte sich so sehr in die Planung des Krieges, dass er anfing, seine Familie zu vernachlässigen. Seine Frau merkte dies ihm gegenüber an und der Mann versprach ihr, dass er, sobald sie die Schlachten gewonnen hätten, mehr Zeit mit ihr und seinem Sohn verbringen würde. Doch es kehrte eine Person zurück, die seine gesamte Aufmerksamkeit forderte - Klara, die Hexe. Sie war nicht allein. Der Hass stand Hagen wie ins Gesicht geschrieben, als ein Bote ihm berichtete, dass die Frau auf dem Marktplatz gesichtet wurde - mit einem Neugeborenen in ihren Armen. Der Lehnsherr befahl den Wachen, die ehemalige Magd einzukerkern, sodass er sie am nächsten Tag vor Gericht stellen konnte. Er verfasste einen Befehl, in dem der Grund für die Verhaftung genannt wurde: Hexerei. Am nächsten Tag zerrte man die Frau vor zwei Richter und Hagen, die schlussendlich urteilen würden. Der Ritter bestand jedoch darauf, zuerst über das Kind, welches für das gleiche Vergehen angeklagt wurde, zu richten. So war der Mann doch etwas paranoid geworden und sorgte sich darum, dass die Seelenspiegel des Nachkommen eine verräterische Farbe haben könnten. Klara sollte also in dieser Verhandlung nur als Sprecherin für das Hexenkind agieren, ehe sie später selbst ihr Urteil erhielte.

»Der Mann an Hagens linker Seite räusperte sich noch einmal abschließend, ehe er sich langsam wieder setzte. Er hatte soeben die Anschuldigungen vorgetragen. Nun lag es an der Mutter des beschuldigten Kindes, dieses aus der Schlinge zu retten. Doch der Lehnsherr zweifelte stark daran. Der Blick der ehemaligen Magd wanderte zornig von den Richtern zu dem Ritter.
"Ihr sagt, meine Tocher wäre aus der Buhlschaft mit dem Teufel entstanden, ja?", fragte sie und jedes ihrer Worte machte deutlich, dass sie nichts von den Vorwürfen hielt.
Sie hätte vor Wut schreien können. Gerade Hagen wusste ganz genau, dass es nicht der Leibhaftige gewesen war. Warum nur? Sie bereute ihre Dummheit und ihre Naivität - wie hatte sie annehmen können, dass sie problemlos in die Stadt zurückkehren könnte, um dort einen Racheakt an dem mächtigsten Mann von eben dieser zu planen? Sie hatte nicht mit solch fleißigen Boten gerechnet... Außerdem hätte sie Hagen Vieles zugetraut, nicht aber, dass er seine ehemalige Geliebte und eigene Tochter verhaften ließ.
"Fällt Euch wirklich nicht auf, wie lächerlich Ihr seid? Ihr stellt ein Neugeborenes vor Gericht!", sie verteidigte ihr Kind aggressiv, diese Monster würden es ihr nicht wegnehmen, "erbärmlich!"
Im nächsten Moment landete die Faust des Ritters krachend auf dem schweren Eichenholztisch. Der Ring, den er trug, klirrte laut. Die Wachen am Rande des Saals schreckten auf.
"Was erlaubt Ihr Euch! Dreckige Hexe! Zügelt Eure haltlose Zunge!", brüllte Hagen ärgerlich der Frau entgegen.
Klara war von dem plötzlichen Ereignis zwar etwas überrascht worden, dennoch ließ sie es sich nicht nehmen, das Kinn ein kleines Stück zu recken und den Zornigen kühl zu mustern.
"Ich denke es ist an der Zeit, dass die hier Anwesenden erfahren, wer wirklich der Vater von meiner Tochter ist", ihre Augen schmälerten sich bedrohlich.
Sie ließ dem Erbosten keine Zeit, ihr das Wort abzuschneiden und sprach sogleich weiter: "Dieser Mann, der Lehnsherr selbst, hinterging seine Frau, um sich mit mir zu treffen. Er ist es."
Sofort richteten sich die erstaunten Blicke der Personen auf den Adeligen, durchbohrten ihn förmlich - Konnte das die Wahrheit sein? Ein unangenehmes Flüstern brach aus. Hagen hielt kurze inne, dann zuckten seine Mundwinkel nach unten und der ohnehin schon düstere Ausdruck verfinsterte sich mehr. Alle erwarteten eine Antwort. In einer langsamen Bewegung erhob er sich von seinem Platz, um sich zu voller Größe aufzurichten und den Saal zu überblicken.
"Diese Hexe", begann er, "ist nichts anderes als eine verabscheuungswürdige Teufelsanbeterin, die uns eine amateurhafte Lüge auftischen will. Lasst euch nicht von ihrer dunklen Magie und ihren lästerlichen Worten verzaubern."
Die Menschen sahen einander an und nickten verstehend. Sie glaubten jedes Wort von ihrem Lehnsherrn. Niemand wollte der Hexe vertrauen. Hagen schnaufte laut aus: "Schafft sie zurück in den Kerker. Die Verhandlungen werden morgen weitergeführt. Ich kann den Anblick einer falschen Schlange gegenwärtig nicht mehr ertragen."
Als zwei Wachmänner Klara gewaltsam an den Armen packten, stachen ihr Tränen in die Augen. Ihr wurde gewahr, dass die Rettung ihres Kindes immer weiter in die Ferne rückte.«
~ Momentaufnahme der ersten Verhandlung

Doch auch in den folgenden Tagen wurde Klara stets als Lügnerin dargestellt und so kam es schließlich zur Verurteilung ihrer Tochter. In der letzten Verhandlung erlebte die Mutter einen Nervenzusammenbruch, als entschieden wurde, dass das Kind aufgrund von Hexerei eingeäschert werden sollte. Nach der Vollstreckung des Urteils am nächsten Nachmittag wollte man mit dem Fall der ehemaligen Magd beginnen - ein Ereignis verhinderte dies allerdings. So wurde Hagen über einen Überfall eines Dorfes an der Grenze informiert. Der verfeindete Lehnsherr hatte den ersten Schritt im Krieg gewagt und war bereits in das Gebiet des Ritters eingefallen. Daraufhin sah sich dieser damit konfrontiert, die Angreifer abzufangen und zurückzuschlagen. Hagen machte seine Truppen mobil, um mit ihnen in den Kampf zu ziehen. Seine Bündnispartner unterstützten ihn mit zusätzlichen Streitkräften. Nahe der zerstörten Ortschaft trafen sie auch auf den Gegner. Beide Lehnsherren lehnten ein Gespräch ab und stimmten dem sofortigen Beginn einer Schlacht zu. Ungefähr in der Mitte dieser blutigen Auseinandersetzung geschah etwas, was das Leben des von Fichtfalls verändern sollte. Die Sehne seines Schlachtrosses wurde mit einem Schwertstreich durchtrennt und das Tier stürzte, woraufhin auch der Reiter wuchtig zu Boden fiel. Das Risiko, dass dem Mann das Genick durch den schweren Aufprall gebrochen würde, war hoch. Doch Hagen krachte auf die Leiche einer seiner Leute, sodass sein Sturz abgefedert wurde. Er verletzte sich dabei allerdings am Kopf und an den Rückenwirbeln und zog sich einen zusätzlichen Bruch im rechten Bein zu. Aus vollkommener Erschöpfung, Bewegungsunfähigkeit und dem nahenden Tod tat er etwas, um sein Leben zu bewahren.

»Jeder Atemzug, den er tat, schmerzte tief in seiner Brust und hörte sich nur noch nach einem jämmerlichen Japsen an. Seine Fingerkuppen zuckten schwach. Der Geruch von Blut, Schweiß und Leichen wurde ihm jetzt, wo er tatenlos am Boden lag und sich kaum bewegen konnte, erst wirklich gewahr. Vor seinen Augen erstreckte sich der wolkenverhangene Himmel. Leichte Wassertropfen trennten sich von der grauen Trübnis und regneten auf die kämpfenden Gestalten nieder. Schreie durchzogen die grausame Szenerie. Er stöhnte, als er den dröhnenden Schädel heben wollte. Jede Bewegung nagte an ihm und löste eine Welle voller Schmerz aus. Zitternd führte er seine Hände zum Kopf, um den schweren Topfhelm seiner Vollplattenrüstung abzunehmen, da dieser ihm das Gefühl gab, seine ohnehin schon flache Atmung nocheinmal zu schwächen. Keuchend krallten sich seine Finger kraftlos in das Metall, um mit einem Ruck den Schutz seines Hauptes zu entfernen. Klirrend landete der Helm auf dem dreckigen Boden. Er atmete auf. Ein Regentropfen, der auf seiner Stirn landete, ließ ihn blinzeln. Er erkannte immer mehr, wie hiflos er war. Die Erschöpfung und seine Verletzungen gönnten ihm keine Bewegung und so konnte er sich nicht erheben. Jeder Gegner, der ihn erspähte, wäre in der Lage, ihn problemlos zu töten. Sollte dies sein Ende sein? Hagen von Fichtfall, gefallen in der Schlacht? Er hustete. Er wollte nicht sterben. Nicht hier, nicht jetzt, nicht so. Plötzlich fühlte er etwas, das sich wie ein warme, leichte Brise anfühlte, die sanft über seine Haut strich. Doch... Der Regen war kalt und der Wind unerbittlich. Was war es also? Er seufzte angestrengt, als er sich auf den Unterarmen abstützte, um sich umzudrehen. Ihm wurde kurz schlecht, als er sah, was ihm teilweise als Unterlage gedient hatte. Die Leiche einer seiner Männer lag unter ihm. Der Brustkorb des armen Kerls war blutüberströmt, die Rippen aufgebrochen, das Leben aus ihm entwichen. Oder...? Seine Augen verengten sich angestrengt, als er etwas im toten Körper glimmen sah. Ungläubig hielt er den Atem an, als blaues Licht aus dem Soldaten emporstieg. Er wusste, was man sich über diese Erscheinungen erzählte. Man solle den schwindenden, rechtschaffenen Seelen, die an ihrer blauen Färbung erkennbar waren, Ehrfurcht zollen und sie keinesfalls auf ihrem Weg stören. Angeblich besäßen sie Unmengen an Kraft und Energie, die sie für ihre Reise benötigten. Wenn er sich richtig entsinnte, hatte er auch mal gehört, dass diejenigen, die es wagten, eine gute Seele zu verzehren, um Macht zu erhalten, böser Magie anheimfielen und sich zu ewig durstigen und gleichsam hungrigen Monstren verwandelten. Wundersam und fesselnd war der langsame Aufstieg des verblassenden Lebens allemal und so konnte er den Blick nicht abwenden. Allein die Nähe zu der Quelle ließ ihn Stärke fühlen. Er... Geräusche von schweren Stiefeln, die durch den Dreck wateten, schnitten seinen Gedankengang ab. Er sah über seine Schulter und entdeckte eine Gestalt, die ihren Weg in seine Richtung eingeschlagen hatte. Verdammt. Verdammt. Verdammt. Er wollte schnell zu seinem Schwert kriechen, doch seine Wunden hinderten ihn daran. Wenn er Glück hatte, dann war es vielleicht gar kein Feind, schoss es ihm durch den Schädel. Im selben Moment zweifelte er an den eigenen Gedanken. Wärme durchflutete seinen Körper erneut, als die Seele auf seine unruhige Bewegung reagierte. Seine Augen erfassten das blaue Licht starr. Das Blut in seinen Ohren begann zu rauschen. Sein Herz schlug immer schneller. Er leckte sich über die trockenen Lippen. Das Geräusch kam immer näher. Mittlerweile wagte er es nicht mehr, nachzusehen, wie nah der Gegner vielleicht schon war. Die Seele stieg weiter, befand sich nun auf gleicher Höhe mit seinem Gesicht. Die Warnungen in seinem Kopf verhallten. Es war, als würde das restliche Leben ihn verlocken wollen... Ja... Er würde seinen Tod hier nicht finden. Seine Seelenspiegel weiteten sich, als seine Finger dem reinen Licht immer näher kamen. Es wog sich spielerisch. Dann packte er nach der Seele, sperrte sie gewaltsam im Griff seiner Hände ein. Von weit her fühlte er etwas, was ihn ihm aufschrie, als wollte es ihn aufhalten wollen, doch da die Angst vor dem Tod, Verzweiflung, elendige Hilflosigkeit und Schmerz ihn trieben, überhörte er es. Hektisch führte er das blaue Leuchten an seinen Mund, öffnete die trockenen Lippen und biss wie ein ausgehungerter Wolf hinein. Schier unendliche Kraft durchflutete seinen Schädel, seine Adern, seine Knochen. Gierig riss er weitere Stücken aus der Seele, bis er sie vollständig verschlungen hatte. Am Geräusch der Schritte glaubte er, dass die Gestalt nur noch einen Katzensprung von ihm entfernt war. Doch der Angreifer würde in ihm kein geschwächtes Tier finden, dass er einfach töten könnte. Nein. Er war gestärkt. Macht beflügelte seine Bewegungen. Der Schmerz war vergessen, nicht mehr zu fühlen. Es war unbeschreiblich. Er griff eilig nach dem Schwert, um es wieder sicher in seiner Hand zu wissen... Allerdings... Er mochte es nun kaum fühlen, hatte es aus seinen Gedanken verbannt und stürzte sich mit einem wilden Schrei zurück in die Schlacht - so hatte er bereits den ersten Schritt in den unbändigen Hunger und den alles verzehrenden Wahnsinn getan.«
~ Momentaufnahme von Hagens erster Seelenspeisung

Durch die zusätzliche Kraft und Energie konnte Hagen noch einmal aktiv an der Schlacht teilnehmen, allerdings musste er schon bald einsehen, dass seine Gegner deutlich in der Übermacht waren. Er leitete einen vorläufigen Rückzug ein und wollte zurückkehren, um die Verletzten auskurieren zu lassen. Nach der Erstversorgung, auf dem Heimweg, wurde ihm jedoch etwas Seltsames gewahr. Der Ritter verspürte zwar ein schwaches Hunger- und Durstgefühl, allerdings vermochte weder normaler Trank noch Speis diesen zu stillen. Tatsächlich sorgte die Einnahme von Getränken und Nahrung nicht annähernd für ein Sättigungsgefühl. Demotiviert und wütend über die Niederlage erreichte der von Fichtfall schließlich seine Heimat. Er zog sich in seine Burg zurück, um seine Bündnispartner zu sich zu bestellen und neue Taktiken zu besprechen. Sie rieten ihm allesamt, sich zu ergeben und um Frieden zu bitten. Ihre Chancen stünden mehr als nur schlecht. Selbst mit vereinten Kräften waren sie dem Feind und dessen mächtigen Verbündeten weit unterlegen. Hagen wollte dies nicht einsehen und so verneinte er das Angebot zornig. Seine Frau versuchte in den nächsten Tagen ihren Mann zu beruhigen. Doch eine schlechte Nachricht jagte die nächste und so gestalteten sich alle ihre Bemühungen als erfolglos. Der Heiler offenbarte dem Lehnsherrn, dass seine Kopf- und Rückenwirbelverletzung mit großer Wahrscheinlichkeit gut verheilen würde, er sein Bein aber zu sehr überstrapaziert hätte. Irgendetwas sei mit dem gebrochenen Knochen geschehen. Die Aussichten auf eine komplette Gesundung wären deswegen angeblich düster. Zudem informierte ihn ein Bote darüber, dass die Hexe Klara aus ihrer Zelle verschwunden war. Als der erboste Ritter eine Erklärung verlangte, meinte man nur, sie hätte den Wachmann wahrscheinlich verzaubert. Die gegnerische Streitmacht hatte währenddessen weitere Siedlungen zerstört und Gebiete eingenommen. Eine Nahrungsknappheit war langsam zu bemerken, die wohl in eine Hungersnot gipfeln könnte. Ausgerechnet in dieser schweren Zeit war es das seltsame Hunger- und Durstgefühl, welches sich rapide verstärkte. Schnell und rasend. Die Bediensteten berichteten davon, den Herren zur späten Nacht gesehen zu haben, wie er verzweifelt jegliche Nahrung und Trank verschlang und sich anschließend aufgrund der Masse erbrach. Hagen erschien zu den Mahlzeiten nicht mehr am Tisch. Egal was er aß, egal zu welchem Heiler er ging - nichts schien ihm helfen zu können. Verzweiflung machte sich in dem Mann breit. Er konnte kaum noch schlafen. Ilea sorgte sich sehr, allerdings war auch sie nicht in der Lage, ihren Gatten irgendwie zu heilen. Später wurde dem Adeligen klar, woher das grausige Gefühl stammte. Er erzählte es niemanden, schockierte ihn die Erkenntnis selbst zu stark. Die reine Seele, die er klammheimlich auf dem Schlachtfeld verschlungen hatte, hatte ihn in die schwarze Magie gestürzt. Sein schier unendlicher Hunger und Durst würde nicht so einfach gestillt werden - es verlangte ihn nach weiteren Leben. Entsetzt versuchte Hagen unauffällig in alten Büchern irgendwelche Lösungen zu finden, während er sich immer weiter zurückzog. Es musste doch einen Weg geben, die eigene Seele zu heilen? Einen Weg, die Schandtat zu vergessen? Dieses Leid loszuwerden? Er fand nichts und wünschte, er hätte nie den Fehler begangen. Unfähig seine Gedanken abzulenken, lag er in den Nächten wach, starrte stillschweigend die Decke an. Würde der Hunger ewig währen? Oder würde ihm irgendwann verziehen? Niemand durfte erfahren, was ihn plagte, sonst würden sie ihn wegsperren. Doch das Gefühl dominierte nicht nur die Gedankenwelt des von Fichtfalls, auch seine Handlungen wurden bald von dem ansteigenden Wahnsinn und der Abhängigkeit zu den Seelen beeinflusst. In einer weiteren schlaflosen Nacht überfiel es ihn. Bis heute bereut Hagen dieses Ereignis. Hasst sich dafür.

»Er lag wach. Immer noch. Ilea schlief schon. Er hörte leises Säuseln neben sich. Er hatte die Arme hinter dem Kopf verschränkt und sah ein weiteres Mal an die tiefschwarze Decke. Die endlose Leere in ihm und das Verlangen, sie zu füllen, fühlte er deutlich. Es war stärker als sonst. Er seufzte unhörbar und strich sich mit der Hand angestrengt über die Nasenwurzel. Wie weit wollte der Hunger ansteigen? Wo lag die Grenze? Gab es sie überhaupt? Was tat er, wenn es sie nicht gab? Er verzog die Mundwinkel. Er hielt es nicht mehr aus. Jeden Tag dasselbe. Er zitterte. Es musste ein Ende geben. Wie sollte er mit diesem Fluch weiterleben? Er schloss die Augen. Das Bildnis einer bläulichen Seele flackerte in der Schwärze auf. Er erschrak leicht. Dann sah er zu Ilea. Ein Glück, er war nicht zu fest zusammengezuckt. Sie schlief weiterhin ruhig. Er griff nach der warmen Decke, die hinabgerutscht war, und zog sie wieder über ihre bleiche Schulter. Plötzlich hielt er inne. Ilea... Schweiß trat ihm auf die Stirn, während er sie fest anstarrte, unfähig den Blick abzulenken. Der Hunger schrie in ihm auf. Er leckte sich langsam über die staubtrockenen Lippen. Er sehnte sich nach dem erneuten Geschmack, der Macht, einer reinen Seele. Seine liebe Ehefrau hatte mit Sicherheit eine in ihr wohnen... Ja. Er würde nur mal kosten. Hineinbeißen. Sie wollte ihm doch immer so gerne helfen, jetzt würde sie es. Er täte ihr nicht weh. Er läge die Seele wieder zurück. Ein kleines Stücken.. ein kleiner Biss... mehr wollte er nicht. Er legte ihre Hände an ihren weißen Hals. Sie öffnete ihre Augen, starrte ihn an, wollte ihn wegstoßen. Es tat ihm leid. Er würde sich später bei ihr entschuldigen. Er drückte zu. Sie röchelte. Sie würde ihm sicherlich verzeihen. Er würde mit ihr auch zum besten Schneider der Stadt gehen. Sie trat nach ihm, schlug um sich. Es war vergebene Kraft. Er vertraute ihr so sehr, ja... Er würde ihr nachher erzählen, warum er das getan hatte. Sie würde ihn nicht verstoßen, ihn nicht verraten. Ihre Glieder sanken kraftlos in das weiche Bett, die Pupillen drehten sich nach oben. Endlich war sie still. Sie wusste doch, dass er ihr nie etwas Böses wollte. Abwartend starrte er sie an. Die erwartete, blaue Seele zeigte sich. Endlich... Erlösung von diesen Hungerschmerzen. Er griff nach ihr, führte sie zum Mund, verschlang sie aberrmals und schloss die Augen vor Freude. Wellen aus Glück und Macht durchströmten seinen Körper. So schön... Das Schreien eines Kindes drang an sein Ohr, was er vorher wohl überhört haben musste... es verlangte ihn nach mehr. Hunger... Er stand in bedrohlicher Stille vom Bett auf und sah hinüber. Leopold lag, das Gesicht gerötet vom kräftigen Geschrei, in seinem Kinderbett. Er trat an seinen Sohn heran und griff nach dem Kerzenleuchter. Noch eine Seele, dann würde er für immer satt sein... Er holte aus. Ruhe kehrte ein.

...

Was hatte er getan?«
~ Momentaufnahme von Hagens zweiter und dritter Seelenspeisung

Erst nachdem Hagen seine Frau und seinen Sohn ermordet- und ihre Seelen verspeist hatte, besinnte er sich wieder. Er begriff, dass er getrieben von seinem Hunger, etwas Schreckliches getan hatte. In völliger Schockstarre besah er sein grausiges Werk, ehe er aus dem Zimmer floh, sich in den Hauptsaal schleppte und dort seelisch sowie körperlich zusammenbrach.

»Er hatte sich demütig zu Boden geworfen, der Körper zitternd, das Haupt gesenkt, die Hände fest zum Gebet gefaltet. Schwer schnaufend und atmend sprach er mit abbrechender und leiser Stimme flehende Vergebungsbitten. Die Hoffnung in seiner Brust, dass der Herr ihm für seine Taten verzeihen könnte, brannte lediglich auf einer kleinen Kerze und drohte zu ersterben.
"Ich wusste gar nicht, dass Du Reue fühlen kannst", eine dem Lehnsherrn bekannte Stimme meldete sich abschätzig vom Rande des großen Saals aus.
Er richtete sich zum Sitzen auf, fuhr herum, ehe seine vor Panik geweiteten Augen den Widersacher der Worte erfassten. Es war Klara. Sie hatte die Arme demonstrativ vor der Brust verschränkt und musterte ihn mit verächtlichem Blick. Sie schien im Gesicht stark gealtert. Am liebsten hätte der Ritter ihr nun gedroht, sie angeschrien, doch zum ersten Mal in seinem Leben fühlte er, dass ihm der Zorn fehlte.
"Huch? Mir war ebenso wenig gewahr, dass etwas wie Du Tränen vergießen kann", spielerische Überraschung schwang in der Tonlage der Hexe mit, als sie sein Antlitz titulierte.
Er selbst verzog das von salzigen Tränen bedeckte Gesicht schmerzlich. Er machte sich nicht mehr die Mühe, seine Schwäche zu verbergen. Er wusste nicht anders mit dem schier unendlichen Pein umzugehen, als sich dem Willen seiner traurigen Augen zu ergeben.
"Wie.. bist.. Du.. hierhergekommen.. Miststück..?", es dauerte eine halbe Ewigkeit, bis der Mann seine Stimme soweit zurückerlangt hatte, dass er sich verbal wehren konnte.
Sie löste die Verschränkung ihrer Arme und strich sich überlegen lächelnd eine Haarsträhne zurück: "Ich habe mich komplett meinem Hexendasein ergeben, da ist das unerlaubte Eindringen in eine Burg leichtes Spiel. Und weißt Du, wer daran schuld ist? Er kniet gerade ganz jämmerlich in dieser Feste."
Er wollte seine Hand wütend zur Faust ballen, einen der Leuchter von der Wand nehmen und diese widerwärtige Hexe erschlagen. Doch er war innerlich getroffen. Für ihn zerbrachen in jeder Sekunde, in denen Gedanken blitzschnell durch seinen brummenden Schädel rasten, Welten.
"Du könntest mir fast leid tun. Aber ich wusste, dass es so kommen würde. Ich habe deine Seele gespürt, nachdem Du von der Schlacht wiedergekehrt bist. Sie war von sanften, roten Schlieren überzogen, die sich gerade verdichten", sie schritt ein wenig durch den weiten Saal und heuchelte Interesse an den alten Gemälden an der Wand, "ich denke, Du hast das verdient. Den Hunger, den Schmerz… Das."
Sie betrachtete ihn. Ihre Augen schmälerten sich böse.
"Lab Dich nur an.. meinem Leid… Hexe. Der Herr wird Dich… richten..", er faltete die Hände wieder fest, um mit dem Gebet fortzufahren.
Er war sich sicher, dass sie nur hier war, um ihn weiter in den Abgrund zu stoßen mit ihren lästerlichen Worten.
"Und Dich nicht? Hah! Ist Dir nicht aufgefallen, was Dir innewohnt? Du hast Dich dem Bösen ergeben!", sie lachte laut auf, dann sprach sie deutlich leiser und eindringlicher weiter, "oder hast Du schon vergessen, was Du gerade getan hast?"
Gänsehaut überzog den Körper des Ritters augenblicklich, er riss die Hände hoch, um das Gesicht in ihnen zu vergraben und schwer in seinem Leid zu wimmern, während er sich krümmte: "Ich habe.. habe.. habe.. sie getötet."
Sie beobachtete die Szenerie kühl, dann lehnte sie sich an die Wand und schnaufte: "Dass Du einen Mord bereust.. Hah. Das will mir immer noch nicht in den Kopf."
Er schluchzte erbärmlich. Doch es genügte ihrer Rache nicht. Vielleicht kniete er da gebrochen am Boden, aber das reichte nicht. Dass er sich den Dolch des Wahnsinns in den Brustkorb getrieben hatte, war das Beste was ihr hätte passieren können. Allerdings müsste sie es nun auch vollkommen ausnutzen.
"Wirklich herzzerreißend wie Du um Deine Frau und Deinen Sohn weinst, wo Du doch Deine eigene Tochter als Teufelskind beschimpftest und hingerichtet hast", zischte sie kühl.
Der Schmerz saß immer noch tief in ihr, nagte an ihrer Seele. Der Lehnsherr antwortete nicht. Seine Augenränder waren feucht und gerötet. Er stieß stumme Schreie aus.
"Weißt Du was? Du wirst lange genug Zeit haben, um über meine Worte nachzudenken", sie setzte zum finalen Schlag an, während er das Haupt schwach anhob und sie fragend ansah, "ich habe Gerüchte verbreitet. Die Städter sind auf dem Weg. Angeführt vom hiesigen Priester. Sie glauben, die Seele ihres Lehnsherren wurde von einem Dämonen versklavt."
Entsetzten zeichnete sich in der Miene des Ritters ab. Die Augen aufgerissen, sprachlos, starrte er seine ehemalige Magd an. Sie konnte nicht die Wahrheit sprechen. Unmöglich. Warum sollten die Bewohner so etwas glauben? Das..
"Warum?", sie schmunzelte amüsiert, "ich kann Dein Gesicht lesen. Es hat sich herumgesprochen, dass der ehrenwerte von Fichtfall nichts mehr essen kann. Dass er frisst wie ein Tier und dann alles ausspukt. Außerdem ist er ungewöhnlich blass geworden. Und dann will er nichtmal den Krieg aufgeben und lässt sein Volk an Hunger und Überfällen verrecken."
Seine Eingeweide verkrampften sich. Er krallte die eigenen Finger in den roten Seidenteppich. Ihm war schlecht… So unendlich elend…
"Sie haben den Glauben an Deine Menschlichkeit aufgegeben. Wenn sie nur wüssten, dass Du nicht besessen bist, sondern der Dämon selbst."
Ein schweres, schier ohrenbetäubendes Krachen ertönte.
"Oh. Das waren wohl die Flügel der Hauptpforte. Sie kommen. Aber vorher..", sie schritt noch einmal zu ihm herüber, sah ihm tief in die Augen und sprach mit eisiger Stimme, "wenn Du langsam vor Dich hin rottest, dann will ich, dass Dir bewusst ist, dass ich mit einem Fingerschnippen all den Wahnsinn von Dir nehmen könnte. Ich könnte Dich  von den Schmerzen erlösen. Aber ich tue es nicht. Das hier ist Deine Strafe. Deine eigene, ganz persönliche Hölle."
Die Frau verschwand. Ließ ihn allein. Mit tausenden Fragen im Kopf. Mit der entschlossenen Menge, die durch die Tore brach.«
~ Momentaufnahme von Hagens Zusammenbruch und der Einleitung seiner Strafe

Die Städter fanden den gebrochenen Mann im Saal vor. Auf den Befehl des Priesters hin, mit dem Hagen früher viel zusammengearbeitet hatte, zwang man ihn zum Aufstehen. Ehrfürchtig verkündete man, dass der Dämon in ihm so stark wäre, dass er, würde man die fleischliche Hülle verbrennen, entweichen und sich ein neues Opfer suchen. Aus Angst, dass dieser Fall eintreten könnte, entschied man, den Lehnsherrn für alle Ewigkeit einzusperren. Der Ritter versuchte sich zu wehren. Doch seine Worte trafen auf taube Ohren. Er wurde in Ketten gelegt und noch in der selben Nacht reiste man mit Fackeln bewaffnet zum Familiengrab der von Fichtfall. Dabei handelte es sich um eine steinerne Höhle, vor welche ein großer Felsblock geschoben war. Kurzerhand kümmerten sich mehrere stärke Männer darum, das Hindernis zu beseitigen und Hagen in das verwinkelte Grab zu zerren. Dort befand man schließlich einen engen, leeren Raum für besonders passend, von dem man direkte Sicht auf den Torstein hatte. Ketten wurden in den Grund geschlagen, der Ritter ordentlich an Händen und Füßen ausgestreckt am Boden gefesselt. Anschließend sprach der Priester noch einmal, dass er Hagen von Fichtfall sein Seelenheil wünschte und dem Dämonen den Hungertod. Damit verließen die Städter das Grab, schoben den brockigen Fels wieder vor und ließen den Mann in tiefster Dunkelheit bewegungsunfähig zurück. In seiner eigenen persönlichen Hölle.

Jahre vergingen. Hagen starb nicht am Hunger. Er spürte den unendlichen Schmerz wieder in sich Aufkeimen, da es seinen Leib nach Seelen verzehrte. Sein Körper hatte sich auf eine neue Ernährungsmöglichkeit ausgelegt, seit der Lehnsherr die erste, blaue Seele gegessen hatte. Er näherte sich nur noch von den Lebensgeistern. Auf Getränke und Gerichte konnte er verzichten. Da Hagen auch nie die riesenhafte Menge an Energie aufbrachte, die er durch drei Seelenspeisungen erhalten hatte, besaß sein Leib genug Vorrat. So hatte der Ritter zwar das Gefühl zu verhungern, doch der Fall trat nie ein. Sein Blick war stets auf den Stein gerichtet, in der Hoffnung, irgendjemand würde ihn aus seiner Lage befreien. Er schlief viel in seiner Gefangenschaft, was sollte er auch anderes tun? Die Jahre verstrichen, gingen endlos langsam in die Lande – und der Mann vegetierte vor sich hin. Aber er starb nicht. Weder am Hunger, noch am Alter. Die Seelen hatten so viel Macht in sich, die er nicht aufbrachte, dass sie seinen Alterungsprozess aufhielten. Hundert Jahre vergingen. Der Adelige bekam immer mehr das Gefühl, dass er wie Viech nur noch auf seine Schlachtung wartete. Einen kleinen Lichtblick bot jedoch die minimale Verschiebung des Felsens vor der Höhle, sodass schwache Sonnenstrahlen die Düsternis ein wenig vertrieben. Zweihundert Jahre vergingen. Bis heute kann sich der Lehnsherr die eigene lange Lebenszeit nicht erklären. Er begründet sie meist mit der Energie der Seelen. Doch tatsächlich gibt es noch einen weiteren, bedeutenden Fakt, der ihm nicht bekannt ist. Klara schenkte ihm zu Zeiten ihrer Liebschaft viel Lebenskraft ihrer eigenen Hexenseele. Bei ihren gemeinsamen Treffen übertrug sie ihm diese, ohne, dass es ihm bewusst war, da sie mit ihm zusammen bis in alle Ewigkeit leben wollte. Dreihundert Jahre vergingen. Sein Körper lebte von den Seelenkräften. Hagen fühlte Reue, Wut, Trauer, Einsamkeit, Angst und so viel anderes in seiner Gefangenschaft. Er hatte das Gefühl, die Zeit würde ewig vor sich hinkriechen. Jedes Mal, wenn er erwachte, überprüfte er die Ketten auf Rost, in der Hoffnung, sich vielleicht irgendwann losreißen zu können. Vierhundert Jahre vergingen. Der Fels hatte sich weiter verschoben. Der Mann hielt es nicht mehr aus. Wann würde er erlöst werden? Fünfhundert Jahre vergingen. Er tötete jeden Hoffnungsfunken in sich mit finstren Gedanken ab. Mit dreißig Jahren war er weggesperrt worden. In seinem Fünfhundertfünfzigsten Lebensjahr entdeckte er, dass die Ketten so stark gerostet waren, dass er sich ohne jeglichen Kraftaufwand losreißen konnte. Taumelnd und von Verwirrung getrieben durchkämmte er das Familiengrab. Da er keine Energie erlangen konnte, gelang es Hagen nicht, den Fels beiseite zu schieben. So kurz vor der Freiheit und daran sollte es scheitern? Später fand er einen Fluchtweg beim Grab seines Vaters. Scheinbar hatte man veranlasst, einen solchen versteckten Pfad  einzubauen, sodass die Herrscherfamilie des Gebietes sich hier bei Gefahr zurückziehen konnte, aber auch im Falle der Fälle die Möglichkeit hatte, die Höhle zu verlassen, um beispielsweise Nahrung zu sammeln. Als Hagen die Sonne nach 520 Jahren wieder erblickte, war die Freude, die in seiner Brust aufflammte, unbeschreiblich. Im Fluss sah ihm sein dreißigjähriges Spiegelbild entgegen. So begriff er damals, dass sein Alterungsprozess gestoppt worden war. Er kehrte in das Familiengrab zurück, um das reichlich verzierte und viel zu schwere Begräbnisschwert zu entwenden, dass man seinem Vater mitgegeben hatte. Es war vielleicht nicht für den Kampf geeignet, doch so hatte er nicht das unangenehme Gefühl, ein leichtes Ziel zu sein. Bald musste der Ritter erfahren, dass sein Gebiet und die vielen Städte nicht mehr existieren. Scheinbar hatte sein damaliger Kriegsgegner obsiegt, alles niedergebrannt und später an sich angenommen. Auch erlitt Hagen einen Schock, als ihm zu Ohren kam, in welchem Jahr er sich momentan befand. 550 Jahre sollte er schon auf dieser Erde wandeln? Der Lehnsherr zog sich in die Wälder zurück. Er verstand die Moderne nicht, nein, eher verstand er die komplette Welt nicht mehr. Technik, neue Modeeinflüsse, andere Länder – alles war ihm unbekannt und fremd. So entschied er sich, erst einmal in Nähe des Familiengrabes zu leben und später seine Reise zu beginnen. Denn er hatte sich ein Ziel gesetzt. Den unbändigen Hunger, der in ihm tobte, und sein Dasein als Dämon zu beenden. Er war seiner persönlichen Hölle entflohen und nun wollte er die Frau finden, die laut eigenen Worten die Lösung war, Klara. Da sie eine Hexe war, war er sich ziemlich sicher, dass sie noch lebte. Geplagt vom Hungerschmerz und stetiger Reizüberflutung durch die unbekannte Welt, kampiert der Ritter noch im Forst. Entschlossen, die ehemalige Geliebte zu finden und sie dazu zu zwingen, seine Seele zu reinigen, sodass er als rechtschaffener und ehrenvoller Mann sterben kann. Im Übrigen ist es ratsam zu wissen, dass die Seelenkräfte seiner ehemaligen Opfer nachgelassen haben und es seinen ganzen Leib nach neuer Nahrung verzehrt. Noch erträgt er es. Doch für wie lange? Vielleicht schafft er das aber auch nur, weil er bis jetzt noch kaum auf Menschen traf...


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Multicharakter: Isegrim

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Yosuke

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BeitragThema: Re: Hagen von Fichtfall [Kishinei]   Fr Mai 13, 2016 12:38 am

Halli Hallo! ^^
Meine erste Bewertung seit ... seit... Ewigkeiten xD *mit Fingerknöcheln knack*
Okay... kommen wir zum Punkt!

Zuerst war ich ein wenig verwundert, dass du kein Charakterbild hineinbaust, was allerdings gar nicht mal so verkehrt ist, da du deinen Charakter sehr gut und deutlich beschrieben hast und man ihn sich gut vorstellen kann.

Dein Charakter hat eine gewisse Selbstironie, das gefällt mir. "ist ein Kishin-Ei & hasst Kishins, etc."

Zitat :
Auch wenn sein Jähzorn definitv etwas Schlechtes für ihn und die Menschen in seinem Umfeld darstellt, so bietet er doch einen Vorteil: Adrenalin. Dies bedeutet für den Lehnsherrn erhöhte Kraft und kurzzeitige Schmerzressistenz.

Sehr guter Punkt, allerdings weise ich darauf hin, dass dies ausgewogen sein sollte im Bezug auf die Schmerzresistenz, d.h. das er nicht unbesiegbar ist/wirken sollte. Allerdings schätze ich dich, aufgrund deines Stils nicht, als einen Power-Player ein und bin zuversichtlich, dass du dir in diesem Punkt bewusst bist.

Das Ziel deines Charakters ist auch sehr schön gestaltet und ich bin wirklich gespannt über die Entwicklung deines Charakters!

Von mir gibt es ein göttliches:



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Emily & Silvester
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BeitragThema: Re: Hagen von Fichtfall [Kishinei]   Fr Mai 13, 2016 1:18 pm

So ich will dich auch gar nicht lange warten :3
Eine sehr schöne Bw, der Gute ist mir auch sehr Sympathisch xD

Von mir gibts dann auch mein


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